. . d | f Sitemap | Kontakt | Impressum

Aktivitäten

Fischotterprojekt Lutra alpina

Projekt | News aus dem Projekt | Projektorganisation

 

Das Projekt

In den nördlichen Kalkalpen der Steiermark leben heute wieder Fischotter in einer Reihe von Flüssen. Diese Täler sind keinesfalls vom Menschen unberührt. Sie gelten vielmehr als typische Beispiele intensiver Kulturlandschaft mit Mehrfachnutzung: die Palette reicht von Industrie über alle Formen der Wassernutzung bis hin zu Wasserkraftwerken.

Mancherorts sind Siedlungen über viele Kilometer zusammengewachsen. Dennoch leben dort heute wieder Otter. Diese Beobachtungen aus Österreich sind für die Schweiz besonders wichtig, da die Wiederbesiedlung dieser Gebiete in den vergangenen 10 Jahren darauf hindeutet, dass Fischotter durchaus in derart intensiv genutzten subalpinen und alpinen Tälern leben können.

Wie die Fischotter in solchen Lebensräumen zu Recht kommen, welche Ansprüche sie an ihren Lebensraum und ihre Rückzugsorte haben und wie sie die unvermeidbaren Barrieren überwinden, ist weitgehend unklar. Es gab bisher keine Studien, die sich mit dem Leben und Überleben der Fischotter in den Alpen beschäftigt haben, weshalb auch begründete Ableitungen zum Leben von Fischottern in Schweizer Gewässern schwer fallen.

Das Projekt Lutra alpina, welches sich mit diesen Themen befasst soll Aufschluss darüber geben wie Fischotter leben und überleben. Die Resultate dieser 4-jährigen Studie (Doktorarbeit der Uni Zürich) können konkret für die Beurteilung vergleichbarer Lebensräume in der Schweiz eingesetzt werden.

Das Projekt Lutra alpina bildet für die Rückkehr des Fischotters in die Schweiz die wichtigste Basis. Ohne dieses Projekt wird es nicht möglich sein, den Fischotter bei seiner Rückkehr in die Schweiz professionell zu unterstützen.

 

Das Projektteam ist international zusammengesetzt.
Folgende Spezialisten sind im Team:

Dr. Fabio Bontadina, SWILD Zürich, Betreuer Dissertation Projekt Lutra alpina

 

Dr. Andreas Kranz, Fischotterspezialist aus Österreich Koordinator Projekt Lutra alpina, Betreuer Dissertation Projekt Lutra alpina

Dr. Addy de Jongh, Fischotterspezialist aus Holland Mitarbeit im Projekt - Bereich "Fang"

 

Dr. Lukas Polednic, Fischotterspezialist aus Tschechien Mitarbeit im Projekt - Bereich "Telemetrie"

Dr. Tjibbe de Jong, Fischotterspezialist aus Holland Mitarbeit im Projekt - Bereich "Fang"  

Ales Toman, Fischotterspezialist aus Tschechien Mitarbeiter im Projekt Lutra alpina

Dr. Sandra Gloor, Biologin, Stiftungsrätin Pro Lutra und Vorstand Zürcher Tierschutz, Finanzierung und Koordination Projekt Lutra alpina   Irene Weinberger, Biologin, Doktorandin im Fischotterprojekt Lutra alpina

Prof. Dr. Lukas Keller, Zoologisches Museum der Universität Zürich, wissenschaftlicher Leiter der Dissertation im Fischotterprojekt Lutra alpina

   

 

Unterstützung

Das Projekt Lutra alpina wird durch die finanzielle Unterstützung folgender Organisationen ermöglicht: Zürcher Tierschutz, Ernst Göhner Stiftung, Bernd Thies-Stiftung, Stotzer-Kästli-Stiftung, Vontobel-Stiftung, Conseil international de la Chasse CIC, Sektion Schweiz, Temperatio Stiftung, Theo Wucher-Stiftung, Parrotia-Stiftung, Claraz-Schenkung und weiteren Organisationen.

 


News aus dem Fischotterprojekt „Lutra alpina“

Juli 2016

© Zoonar GmbH, shutterstock.ch
 

Das Projekt Lutra alpina konnte mit der Einreichung der Dissertation von Irene Weinberger an der Universität Zürich erfolgreich abgeschlossen werden. Die erste wissenschaftliche Publikation ist im Juli 2016 im Wissenschaftsjournal Biological Conservation erschienen:

Weinberger, I.C., Muff, S., de Jongh, A., Kranz, A., Bontadina, F. (2016): Flexible habitat selection paves the way for a recovery of otter populations in the European Alps. Biological Conservation 199 (2016) 88–95.

Das PDF der Publikation kann bei Irene Weinberger bestellt werden. Weitere Publikationen und Artikel sind in Planung.

 

 

Dezember 2015
 

Die Feldarbeiten von Lutra alpina wurden im Frühling 2014 abgeschlossen. Zur Zeit werden Daten ausgewertet und die wissenschaftlichen Publikationen vorbereitet. Das Projekt wird 2016 abgeschlossen werden.

 

 

20. Juni 2013

Erfolgreiche Jungenaufzucht


Fischotterweibchen unterwegs mit ihren beiden Jungen. Steiermark Feb. 2013



Tagesschlafplätze von Fischottern in der Steiermark

 

Fischotter sind, was die Paarungsbereitschaft betrifft, anders als die anderen einheimischen Wildtiere: sie können praktisch während des ganzen Jahres Junge bekommen. Die Weibchen sind etwa alle 43 Tage aufnahmebereit. Wenn also ein Weibchen seine Jungen verliert, muss sie nicht zwangsweise ein Jahr auf die nächste Paarungszeit warten.

Schaut man auf die vergangenen Jahre der sendermarkierten Otterweibchen zurück, zeigt sich, dass 2012 in der Steiermark ein gutes Jahr war. Drei der fünf Weibchen bekamen Junge, welche die kritischen ersten Monate überlebten. Im Frühling waren zwei Weibchen mit zwei Jungen unterwegs und ein Weibchen mit einem Jungtier.

Fischotterweibchen Alena hat in den vorangegangen beiden Jahren Junge gehabt. Diese wurden im Frühjahr geboren, überlebten aber nicht bis zum Herbst. Das ist jedoch nicht ungewöhnlich. Jungotter haben ein sehr hohes Risiko zu sterben. Alenas Wurf im 2010 ertrank in einem Sommergewitter. Über den Verbleib des Wurfes vom Jahre 2011 wissen wir nichts, plötzlich war er verschwunden. 2012 hat Alena einen besonders geschützten Platz gewählt, um ihre Junge zur Welt zu bringen: weit abseits des Gewässers am Steilhang in einem Haufen alter Äste im Fichtenwald. So ein Geburtsort bietet vor allem Sicherheit vor fremden Ottermännchen, die nicht davor zurück scheuen, Jungotter zu töten, um sich dann möglichst schnell selbst mit dem Weibchen paaren zu können.

Wir freuen uns über die erfolgreichen Jungenaufzuchten ?unserer? Fischotter. Sie sind auch ein Zeichen dafür, dass die Tiere durch die Sender nicht beeinträchtigt sind und sich erfolgreich fortpflanzen.

Von der Pro Lutra-Geschäftsstelle:
Fischotter-Ausstellung in Winterthur

 

Die Fischotter-Ausstellung von Pro Lutra kann bis zum 22. September 2013 im Naturmuseum Winterthur besucht werden. Die Ausstellung wurde auf Initiative von Pro Lutra konzipiert, mit Unterstützung des Naturmuseums Graubünden, dem Zoo Zürich und dem Zürcher Tierschutz.

Vortrag über Fischotter im Naturmuseum Winterthur
26. Juni 2013, 15 Uhr
"Kommt der Fischotter wieder? - Dem Meisterschwimmer auf der Spur" von Flurin Camenisch, Naturmuseum Chur.

Weitere Informationen: http://natur.winterthur.ch

 

26. September 2012

Hochwasser im Fischottergebiet


Bild Irene Weinberger
 

In der Obersteiermark haben im Juli heftige Unwetter gewütet und auch die Region, in welcher das Projekt Lutra alpina die Fischotter-untersuchungen durchführt, war betroffen. Zahlreiche Murgänge haben viele Strassen unterbrochen und die Fluss- und Bachläufe verändert.

Der Fluss Mur hat zwischen Bruck und Graz eine Rekordhöhe erreicht, mit über 4m über dem Normalzustand. Im Zuge des Hochwassers mussten alle Stauwehre geöffnet werden und so floss die ganze Wucht des Wassers in den Reststrecken hinab. Die ungeheure Gewalt der Wassermassen war beeindruckend.


Bild Irene Weinberger
 

 

Wie würden die Fischotter mit der Extremsituation umgehen? Überraschend für alle am Projekt beteiligten, haben sich die Fischotter erstaunlich gut zu Recht gefunden. Sie nutzten ihr angestammtes Aktivitätsgebiet weiter und änderten nur teilweise ihre Aktivitätszeiten. Es scheint, dass Fischotter bemerkenswert flexibel auf kurzfristige Veränderungen ihres Lebensraums reagieren können.

 

 

27. Juni 2012

Schlafplatz mit Aussicht

Fischotter verbringen einen Grossteil ihres Lebens in und an Gewässern. Die meisten Schlafplätze befinden sich direkt am Ufer oder zumindest in Ufernähe von Flüssen oder Bächen.

Dass Fischotter auch ganz anders können, zeigte uns das Fischotterweibchen Alena, welches im Rahmen von Lutra alpina bereits seit Mai 2010 unter Beobachtung steht.

Seit Frühling 2012 verbringt sie den Tag in einem Asthaufen in einem steilen Tobel, etwa 1.5km weit weg vom Fluss Laming. Nachts ist sie hingegen regelmässig in der Laming anzutreffen.

 

Links die Aussicht von Alenas Schlafplatz aus
Bild Irene Weinberger


 

Diplomandin Iris peilt Alena fernab der Laming
Bild Irene Weinberger

 

 

09. März 2012

Gessa und Hans - eine Liebesgeschichte?

Ein Bericht von Barbara Schnüriger, Feldmitarbeiterin im Projekt Lutra alpina in der Steiermark

Unsere beiden mit Sendern markierten Otter Gessa und Hans leben in aneinandergrenzenden Gebieten im und am Fluss Mürz. Deshalb waren wir hier schon von Anfang an besonders aufmerksam, um eventuelle Begegnungen nicht zu verpassen. Im letzten Sommer wagte Hans dann einen Besuch, wurde, wie wir in der Dunkelheit deutlich hörten, von Gessa aber lautstark wieder vertrieben. Im Herbst versuchte er sein Glück, so scheint es, erneut und traf diesmal offenbar auf Zustimmung. Im Januar haben wir nun entdeckt, dass Gessa ihren Hans des Öfteren in seinem Gebiet aufsucht. Mindestens zweimal lagen die beiden wohl gar im gleichen Bau für ein nächtliches Schläfchen. Dass diese Annäherung gerade jetzt passiert, hat uns nicht überrascht, denn anders als andere Marderartige haben Fischotter keine eigentliche Paarungssaison, viele Fischotter paaren sich jedoch im ersten Quartal des Jahres. Man darf gespannt sein, ob wir bei Gessa bald das Fiepen von Nachwuchs hören können.

stark beschneite Steiermark  


In der Steiermark liegt noch immer viel Schnee. Die Fischotter scheinen sich davon nicht beeindrucken zu lassen.

Bild Barbara Schnüriger, Pro Lutra

 

Von der Pro Lutra-Geschäftsstelle:
Fundraising für Lutra alpina

 

Während das Fischotterprojekt Lutra alpina in der Steiermark sich für die intensive Frühlings- und Sommersaison vorbereitet, konzentrieren sich Geschäftsstelle und Vorstand auf die restliche Finanzierung dieses langjährigen Forschungsprojekts. Geplant sind Feldaufnahmen bis Herbst 2012 mit einer möglichen Verlängerung bis Frühling 2013. Anschliessend werden mit den Daten aus Österreich Modelle für potentielle Fischottergebiete in der Schweiz berechnet.

Geplant sind keine Aussetzungen von Fischottern, sondern die Vorbereitung ihrer natürlichen Rückkehr, zum Beispiel mit Empfehlungen für Aufwertungsmassnahmen von Gewässern und die Information der Bevölkerung.

Unterstützen auch Sie unser Engagement und tragen dazu bei, dass dereinst in unseren Gewässern wieder Fischotter unterwegs sind. Herzlichen Dank!

Stiftung Pro Lutra
7504 Pontresina

Postkonto: 90 - 708358 - 9

 

06. Januar 2012

Ruhige Tage nach aktiven Nächten.

Während die Tage bereits wieder länger werden, ist in der Steiermark endlich der Schnee gekommen. Die Otter kümmert es scheint’s herzlich wenig. Ihr Aktivitätsmuster ist vor allem durch die Nachtlänge bestimmt und je länger die Nacht ist, desto mehr kann zwischendurch auch einmal ein paar Stunden geschlafen werden. Bei den Schlafplätzen haben sich die Vorlieben bereits im Herbst, mit dem Ende der Vegetationsperiode, geändert. So verschlafen die Tiere seit geraumer Zeit den Tag bevorzugt in unterirdischen Verstecken. Einzig das Otterweibchen Alena hält sich derzeit gelegentlich in einem Asthaufen auf, der in seiner Grösse enorm ist und deshalb offenbar genügend Schutz bietet.

Schlafplatz von Alena  

Schlafplatz von Alena
Kaum war die Astbeige aufgeschichtet, war Alena auch schon da - ein anscheinend sehr ansprechendes Tagesversteck.

Bild Irene Weinberger

Schlafplatz von Hans  

Schlafplatz von Hans
Gut versteckt und nur werktags zwischen 7.30 und 16 Uhr für Otterforscher zu­gänglich: das Tagesversteck von Hans liegt in einem Werkhofareal.

Bild Irene Weinberger

Schlafplatz von Gessa  

Schlafplatz von Gessa
Mit freiem Blick auf das Stauwehr: Gessas liebster Schlafplatz.

Bild Irene Weinberger

 

Von der Pro Lutra-Geschäftsstelle:
Drei neue Stiftungsräte

 

Drei neue Stiftungsräte werden die Arbeit von Pro Lutra noch breiter verankern: mit Dr. Armin Peter ist ein aner­kannter und ausgewiesener Fischökologe und Gewässerschutzexperte zu Pro Lutra gestossen, Marcel Jacquat, ehemaliger Direktor des Musée d'histoire naturelle de La Chaux-de-Fonds wird das Fischotternetzin der Westschweiz verstärken und mit Dr. Ueli Rehsteiner, Direktor des Bündner Naturmuseums ist die Weiterführung der längjährigen guten Partnerschaft des Museums mit der Stiftung gewährleistet.

Die drei neuen Stiftungsräte ersetzen Dr. Alex Rübel, Direktor Zoo Zürich, Dr. Jürg Paul Müller, ehemaliger Direktor Bündner Naturmuseums in Chur und Rudolf Mirer, Kunstmaler, Obersaxen, die sich nach langjährigem Engagement für die Fischotter aus dem Stiftungsrat zurückziehen. Für ihren gros­sen Einsatz für Pro Lutra sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Stiftungsratspräsident von Pro Lutra ist Dr. Hans Schmid, Zoo Zürich, im Stiftungsrat sind zudem weiterhin Dr. Chasper Buchli, Biologe, Zernez, Dr. Sandra Gloor, Wildtierbiologin, SWILD, Zürich und Dr. Nuot P. Saratz, Rechtsanwalt und Notar, Pontresina

 

 

 

17. September 2011

Lutra alpina im Beobachter Natur


 

Die Reportage über Lutra alpina im Beobachter Natur gibt einen interessanten Einblick in die Feldarbeiten des Projekts und die Situation der Fischotter in der Schweiz:

Link zum Artikel: www.beobachter.ch/natur/flora-fauna/tierwelt/artikel/fischotter_flinke-jaeger-erobern-ihren-lebensraum-zurueck

 

 

 

 

 

Otter jagen in der Nacht und schlafen am Tag: Zoologin Barbara Schnüriger und ihr Tibetter­rier während der Feldarbeiten von Lutra alpina (Bild: Stefan Bachmann, Beobachter Natur).

Raumansprüche der Otter

Die Raumansprüche der Fischotter in ihrem Lebensraum sind ein zentraler Aspekt der Forschungsarbeiten von Lutra alpina. Welchen Raumbedarf hat ein Otter? Für wie viele Otter hat es in einem Gebiet Platz?

Die Otter in der Steiermark sind, wie ihre Artgenossen in anderen Gebieten, stark an Gewässer gebunden und bewegen sich zum grössten Teil entlang und in den Fliessgewässern fort. Die Daten, die im vergangenen Jahr erhoben wurden, ergeben schon heute ein spannendes Bild: während die Weibchen Aktivitätsgebiete von etwa 4 bis 13 km Bachlänge haben, sind die Männchen weiträumiger unterwegs. So hat das Männchen Dan ein Aktivitätsgebiet von über 30 km Bachlänge in den letzten 9 Monaten genutzt. Wird sich dieses Bild in der zweiten Feldsaison bestätigen? Ist der Lebensraum der Fischotter bereits voll ausgenutzt oder können noch mehr Fischotter im Gebiet leben? Auf diese und weitere Fragen sollen die Feldarbeiten der kommenden Monate Antworten geben.

16. Mai 2011

Feldarbeiten in der Steiermark

Die Schweizer Biologin Irene Weinberger erforscht in der Steiermark im Rahmen ihrer Dissertation die sendermarkierten Fischotter. Nachfolgend ein Erfahrungsbericht aus ihren Feldarbeiten:

„Piep – piep – piep, so tönt es aus dem Gerät, welches das Signal vom sendermarkierten Otter empfängt. Hier, in der Steiermark, leben die Fischotter sehr versteckt, sind nachtaktiv und bewegen sich bis jetzt ausschliesslich in Bachbetten fort. Im Gegensatz zu Forschern, die bei­spielsweise Studien an Elefanten durchführen, sehen wir unsere Untersuchungstiere deshalb meistens nur beim Fang. Danach bleibt uns bloss das Piepsen aus dem Empfänger, das uns zeigt, dass sich da draussen eines unserer Tiere befindet.

Wenn man dann so in der Nacht allein auf einem Feld steht und mitverfolgt, wie das Piepsen langsam von rechts nach links wandert, man aber das Tier weder sieht noch hört, fragt man sich zuweilen, ob das da draussen nicht einfach eine akustische Illusion sei. An guten Beobachtungspunkten, wie beispielsweise auf Brücken mit Strassenlaternen, harren wir deshalb gerne etwas aus, um vielleicht trotzdem einen kurzen Blick auf Alena, Baukje, Cleo oder Dan zu erhaschen. Mit etwas Glück wird das Piepen immer lauter  – und zack! sieht man einen grossen Schatten, einer Riesenforelle gleich, im beleuchteten Wasser durchflitzen. Nicht einmal eine Sekunde dauert der Spuk, aber die Freude, einen wilden Otter gesehen zu haben, hält bis am Morgen an!

Manchmal aber steht man auf der Brücke, hört das Piepsen lauter werden, freut sich schon und dann kehrt das Tier im letzten Moment um, der Piep wird leiser und es bleibt bis zur nächsten Möglichkeit ein wanderndes Phantom.“

 

Meist verraten nur Spuren die Anwesenheit der heimlichen Wasserbewohner.
© I. Weinberger

Sieben Fischotter mit Sendern unterwegs

Anfang Mai 2011 begann die zweite grosse Fischotter-Fangaktion im Projekt Lutra Alpina. Mit zwei unabhängig voneinander agierenden Teams, beide zusammengesetzt aus erfahrenen Fischotterexperten aus Österreich, Holland und Tschechien, gelang es, innerhalb weniger Nächte drei Otter im Studiengebiet zu fangen. Dabei handelt es sich um zwei junge Weibchen sowie ein stattliches Männchen. Damit sind nun 7 Fischotter mit Sendern unterwegs: 5 Weibchen und 2 Männchen.

Während sich die meisten unserer "alten" Tiere in Bächen aufhalten, sind mit den neuen Ottern jetzt auch zwei Tiere dazugekommen, die mehrheitlich am und im Fluss wohnen. Mit diesen Tieren hoffen wir nun, auch Einblicke von Otter in diesem Lebensraum zu erhalten.

Schlafplatz von Baukje Mitte Februar 2011  

Blick über einen Teil des steirischen Untersuchungsgebiets, vom Rosskegel Richtung Hochschwab. Die Ähnlichkeit mit alpinen und voralpinen Gegenden der Schweiz ist unverkennbar.
© I. Weinberger

 

 

28. Februar 2011

Vier Fischotter im winterlichen Tal

Ob bei Schnee und Wind oder bei klirrender Kälte unter dem klaren Sternenhimmel: Stets sind sie des Nachts unterwegs, unsere Otter Alena, Baukje, Cleo und Dan. Das kalte Wetter scheint sie während der aktiven Phasen in der Nacht kaum zu stören und so können sie schon mal ihr ganzes Territorium von über 10 km während einer Nacht kurz patrouillieren. Für die Biologinnen und Biologen, die den Tieren in einigem Abstand folgen und sie in ihrer nächtlichen Aktivität beobachten, ist dies manchmal eine echte Herausforderung.

 

Projektmitarbeiter Yves Schwyzer beim Peilen eines Tagesruheplatzes von Alena. © I. Weinberger

Laming  

Das Flüsschen Laming, Heimat für die sendermarkierten Fischotter, am 19. 12. 2010 bei minus 13 Grad. Typisch für ein Gewässer in einem Kalkgebirge ist das Wasser nicht gefroren, da es aus relativ warmen Karstquellen stammt. Für die Fischotter ist dies ein grosser Vorteil. © A. Kranz

Während im Sommer das Fischotterweibchen Alena den Tag gern in Asthaufen oder gar unter freiem Himmel verschlief, ist das jetzt im Winter bei allen vier sendermarkierten Fischottern nicht mehr der Fall: Am liebsten verbringen sie den Tag unter dem Boden in trockenen, kleinen Höhlen.

Schlafplatz von Baukje Mitte Februar 2011   Schlafplatz (Stern) des Weibchens Baukje Mitte Februar 2011. © A. Kranz
Revier von Alena   Im Revier des Fischotterweibchens Alena. © I. Weinberger

Eine Idylle ist das steirische Lamingtal, wo die vier sendermarkierten Fischotter leben, allerdings nicht mehr. In diesem Winter wird an der Laming ein Kleinkraftwerk gebaut. Bereits sind auf 250 Metern Bachbett und Ufer nicht wieder zu erkennen. Hier ist das Fischotterweibchen Baukje unterwegs. Wie sie mit dieser Lebensraumveränderung zurecht kommt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen müssen.

Laming: Kleinkraftwerk   Der Bach Laming fällt im mittleren Talabschnitt dem Kleinkraftwerk St. Kathrein zum Opfer. Anfangs 2011 wurde mit dem Bau begonnen. © A. Kranz

 

Von der Pro Lutra-Geschäftsstelle:
Spurenkartierung im Schnee

Fischotterspur Januar 2011 in der Steiermark

Frische Fischotterspuren im Schnee.
© A. Jelinek

Schneespurenkartierungen

Schneespurenkartierungen erfolgen stets bei Neuschnee, wenn die Otterspuren der vergangenen Nacht gut sichtbar sind. © V. Beran

  

Wieviele Fischotter in einem Gebiet leben, lässt sich besonders gut während des Winters feststellen, wenn Schnee liegt und Fischotterspuren gut sichtbar sind. Mit der Methode der Schneespurenkartierung wurden im Auftrag von Pro Lutra 2008 und 2010 die ersten Bestandeserhebungen im Alpenraum durchgeführt. Dabei wurden in der Steiermark - nur gerade 15 Jahre nach der erneuten Ausbreitung der Fischotter - bereits relativ hohe Dichten von Ottern festgestellt. Auch im Winter 2011 folgen wieder Fischotterspezialisten den Spuren der Fischotter.

Die Ergebnisse sind ganz besonders für die Schweiz von Bedeutung. Hier sind Fischotter seit 20 Jahren ausgestorben. Mit den Bestandeserhebungen und dem Projekt Lutra alpina möchte Pro Lutra die Ansprüche des Fischotters an seinen Lebensraum verstehen, um die Rückkehr des Otters, allenfalls durch gezielte Habitatmassnahmen, vorbereiten oder gar beschleunigen zu können.

15. Dezember 2010

Alena, Dan und Co.

Alena heisst der erste Fischotter, den wir im Projekt „Lutra alpina“ beobachten. Im Mai 2010 wurde das stattliche Fischotterweibchen gefangen, mit einem Miniatur-Telemetriesender bestückt und wieder freigelassen. Seither peilen Biologen die nächtlichen Wege von Alena und halten fest, wo sie den Tag verbringt. Anfang November kamen bei der zweiten Fangaktion drei weitere Fischotter dazu: Baukje, die Nachbarin von Alena und ebenfalls ein ausgewachsenes Weibchen, Cleo, ein diesjähriges Jungtier und Dan, ein ausgewachsenes Männchen.

 

Fischotter zu fangen ist schwierig. Die Tiere sind sehr vorsichtig und lassen sich nicht leicht in eine Falle locken, aber dank umfangreicher Vorarbeiten im Gebiet und der tatkräftigen Unterstützung von zwei holländischen und einem tschechischen Fischotterexperten waren bereits die ersten Fangnächte von Erfolg gekrönt.

 

Nun werden die vier Fischotter regelmässig auf ihren nächtlichen Touren und in ihren Tagesruheplätzen gepeilt. So zeigen sie uns nach und nach, wie sie ein Gebiet nutzen und wo sie den Tag verbringen. Im Newsletter Anfang 2011 werden wir berichten, was Alena, Dan und Co. treiben und was im Fischotterprojekt sonst noch läuft.

Projektmitarbeiter Lukas beim Peilen eines Tagesruheplatzes von Alena

 

Von der Pro Lutra-Geschäftsstelle:
Bericht zu Kleinkraftwerken an der Laming

Laming    Die Laming, ein rund 24 km langen Fluss in der Steiermark, ist seit 2003 wieder permanent von Ottern besiedelt und liegt mitten im Untersuchungsgebiet des Projekts „Lutra alpina“. Nun stehen einschneidende Veränderungen an diesem bedeutenden Fischottergewässer an: die Nutzung der Wasserkraft soll in nächster Zeit weiter ausgebaut werden. Das vorgestellte Gutachten zielt darauf ab, zu klären, wie bedeutsam das Gewässer als Lebensraum für den Fischotter ist, wie sich relevante Habitatparameter am Gewässer verteilen und wie sich die Kraftwerke auf den Fischotter auswirken werden.

 

 

 

 

Fischotter